Überfachliche Kompetenzen
Überfachliche Kompetenzen gelten als Schlüsselqualifikationen. Sie umfassen kognitive und handlungsbezogene Fähigkeiten, Fertigkeiten sowie soziale und motivationale Haltungen (vgl. Weinert 2001). Sie bilden die Grundlage für langfristig erfolgreiches, kooperatives Lernen und für die verantwortungsvolle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Überfachliche Kompetenzen sind in allen Bildungsbereichen relevant und deshalb Aufgabe aller Unterrichtsgegenstände und der gesamten Schulgemeinschaft. Sie lassen sich in personale, motivationale, lernmethodische und soziale Kompetenzen gliedern.
Um sicher und verantwortungsbewusst am Straßenverkehr teilzunehmen, sollen Schülerinnen und Schüler Gefahren erkennen, beurteilen, bewältigen oder vermeiden können. Dazu gehören auch Kenntnisse über das richtige Verhalten nach Unfällen und über Maßnahmen zur Unfallverhütung. Praktische Übungssituationen, das Anwenden von Verkehrsregeln, die Förderung von Psychomotorik und Reaktionsvermögen sowie der Aufbau vorausschauender, flexibler Verhaltensweisen und das Üben kommunikativer Situationen im Straßenverkehr sind zentrale Methoden. Die gemeinsame Reflexion stärkt die Selbstwirksamkeit der Lernenden und trägt zur Entwicklung personaler Kompetenzen bei.
Verkehrsteilnahme soll als partnerschaftliches Handeln verstanden werden. Schülerinnen und Schüler sollen sowohl ihre Eigenverantwortung als auch ihre soziale Orientierung entwickeln. Dazu gehört, eigene Verkehrsabsichten klar zu kommunizieren, andere Verkehrsteilnehmende zu beachten und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Soziales Verhalten im Verkehr geht über das bloße Befolgen von Regeln hinaus: Es umfasst Rücksichtnahme, Mitverantwortung, Antizipation fremder Handlungen und situationsangepasstes Verhalten und gemeinsame Kommunikation.
Auch die Reflexion psychischer Faktoren wie Aggression, Stress, Raserei, Regelverletzungen, Trauer, Niedergeschlagenheit oder der Einfluss von Alkohol und Drogen ist ein wichtiger Aspekt der Verkehrs- und Mobilitätsbildung. Durch die gezielte Stärkung sozialer Kompetenzen leistet sie einen Beitrag zu einer rücksichtsvolleren Verkehrskultur und einem besseren Miteinander im öffentlichen Raum.
Übergreifendes Thema: Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung
Die gesellschaftspolitische Diskussion über Fragen des Umweltschutzes hat in den letzten Jahren eine neue Qualität erhalten. Daher müssen die verschiedenen Faktoren von Umweltbelastungen und -zerstörungen durch den Straßenverkehr auch im Rahmen der schulischen Verkehrs- und Mobilitätsbildung thematisiert werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit ihrem eigenen Verhalten und dem der Erwachsenen kritisch auseinandersetzen und Alternativen zur bestehenden Teilnahme am Verkehr und zur Verkehrsgestaltung entwickeln. Dies bedeutet zum Beispiel, begründete Entscheidungen bei der Wahl der Verkehrsmittel zu treffen, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu nutzen, konkrete Vorschläge zur Gestaltung der Verkehrssituation im unmittelbaren Wohn- und Schulumfeld zu machen und Fragen der Verkehrsplanung und der Verkehrspolitik zu erörtern.
Übergreifendes Thema: Gesundheitsförderung
Schulische Gesundheitserziehung beinhaltet nicht nur Informationen über Gesundheitsthemen und verhaltenssteuernde Maßnahmen für den Einzelnen, sondern auch die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Lebensraumes. Daher ergeben sich zahlreiche Berührungspunkte zwischen Gesundheitserziehung und Verkehrserziehung, wie etwa Fragen der Lärm- und Stressvermeidung, der Schadstoffbelastung in Ballungsräumen, der gesundheitsfördernden Wirkung des Gehens und Radfahrens (auch im Zusammenhang mit dem Schulweg) oder die Bedeutung von vorhandenen Bewegungs- und Kommunikationsräumen für die Gesundheit.
Darüber hinaus sollen Kinder und Jugendliche lernen, durch ihr Verhalten im Straßenverkehr (angepasste Geschwindigkeit, Verzicht auf Alkohol- und Drogenkonsum, ökologischer Fahrstil etc.) ihre eigene Gesundheit und die Gesundheit der anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu bewahren.
Übergreifendes Thema: Politische Bildung
Vorhandene Verkehrsprobleme berühren gewöhnlich nicht nur Einzelne, sondern in der Regel ganze Stadtviertel bzw. Ortsteile oder die gesamte Kommune. Wenn Schülerinnen und Schüler etwa im Rahmen eines Projektunterrichtes im Sinne der Verbesserung des Schulumfeldes tätig werden, müssen sie gewöhnlich alle Betroffenen (einschließlich Anrainerinnen und Anrainer), verschiedene Verwaltungsbehörden, Fachorganisationen und politische Entscheidungsträgerinnen und -träger einbinden. Das bietet die Möglichkeit, sich als mündige Bürgerinnen und -bürger einbringen und erleben zu können.
Übergreifendes Thema: Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherinnen- und Verbraucherbildung
Verkehrs- und Mobilitätsbildung ist weit mehr als die Vermittlung von Regeln und sicherem Verhalten im Straßenverkehr. Sie bietet Schülerinnen und Schülern – gerade in der Sekundarstufe II – die Chance, erste wichtige Erfahrungen im Umgang mit großen finanziellen Entscheidungen zu sammeln – etwa bei Anschaffungs- und Folgekosten beim Kauf eines Mopeds realistisch einzuschätzen und einen konkreten Kostenplan aufzustellen. So entwickeln Jugendliche bereits in der 8./9. Schulstufe ein Bewusstsein für die finanziellen Seiten ihrer neuen Mobilität.
Auch bei der Nutzung anderer Verkehrsmittel wie dem Auto spielt die Finanzbildung eine Rolle. Oft stehen junge Erwachsene vor der Entscheidung, ein Auto zu finanzieren – häufig über Kredit oder Leasing, was mit langfristigen Kosten und finanziellen Risiken einhergeht. Das Unterrichtsangebot „Mobilitätskosten – Auto & Co“ unterstützt Jugendliche darin, die tatsächlichen Kosten zu berechnen und die Auswirkungen auf das eigene Budget zu verstehen. Gleichzeitig werden Alternativen wie ein Mobilitätsmix aus verschiedenen Verkehrsmitteln thematisiert, die kostengünstig sind und auch Gesellschaft und Umwelt entlasten.
So wird durch Verkehrs- und Mobilitätsbildung auch das Verständnis für die finanziellen und gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen der eigenen Mobilität gestärkt – für einen bewussten, eigenverantwortlichen und nachhaltigen Umgang mit Mobilitätsentscheidungen.
Übergreifendes Thema: Medienbildung
Auch die Medienbildung ist mit der Verkehrs- und Mobilitätsbildung verbunden. Zum einen kann die Mobilität im digitalen Raum unter verschiedenen Gesichtspunkten der Verkehrs- und Mobilitätsbildung betrachtet werden. So können unter Aspekten der Sicherheit der Datenschutz oder unter ökologischen und wirtschaftsgeografischen Aspekten Fragen des Ressourcenverbrauches durch die Nutzung digitaler Medien reflektiert werden.
Zum anderen kann die digitale Mobilität im Rahmen der Medienbildung berücksichtigt werden. Digitale Mobilität umfasst weit mehr als die Optimierung von Verkehrssystemen (durch beispielsweise Fahrassistenzsysteme) oder die Nutzung von Mobilitäts-Applikationen wie beim Fahrkartenkauf). Digitale Mobilität beeinflusst unterschiedliche Dimensionen der Mobilität: die räumliche Mobilität, die Bewegung von Personen und Gütern im physischen Raum; die soziale Mobilität, das Auf- oder Absteigen in gesellschaftlichen Strukturen; sowie die geistige Mobilität, die Fähigkeit, Informationen und Wissen zu verarbeiten sowie verschiedene Perspektiven einzunehmen und nachvollziehen zu können. Moderne Technologien eröffnen in all diesen Bereichen neue Möglichkeiten, tragen aber auch potenzielle Risiken, die kritisch beleuchtet werden müssen.
Unterrichtsgegenstand: Bewegung und Sport
Insbesondere in Hinblick auf die Förderung der aktiven Mobilität im Rahmen der Verkehrs- und Mobilitätsbildung können Gesundheitsaspekte, Wahrnehmungs- und Bewegungsgewohnheiten direkt mit den fachlichen Kompetenzen des Unterrichtsgegenstandes Bewegung und Sport verknüpft werden.
Tägliche Bewegungseinheit
Die tägliche Bewegungseinheit zielt auf die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ab, indem sie nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch das geistige und soziale Wohlbefinden fördert. Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 14 Jahren sollen durch die tägliche Bewegungseinheit dabei unterstützt werden, bewegungsaktiver zu werden, um damit ihre Gesundheit zu verbessern und den direkten Auswirkungen von zu wenig körperlicher Aktivität, wie Adipositas und Diabetes als auch dem Risiko für einen Herzinfarkt entgegenzuwirken.
Die Tägliche Bewegungseinheit wird in Kooperation des Bildungs- und Sportministeriums in Zusammenarbeit mit den Bundesländern, den drei Sportdachverbänden ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION und den Sportfachverbänden umgesetzt. In einem 3-Säulen-Modell werden 1. Bewegung und Sport zu einem integralen Bestandteil des Kindergarten- und Schulalltags, 2. die Bewegungsumfänge an Kindergärten und Volksschulen durch zusätzliche Bewegungseinheiten erweitert und 3. das Interesse an Bewegung und/oder sportlichem Training durch spezifische Angebote geweckt.
Gerade in Hinblick auf Säule 1 kann die Förderung der aktiven Mobilität eine wichtige Brücke zur Integration von mehr Bewegung und Sport im (Schul-)alltag der Schülerinnen und Schüler bilden.